800 Begeisterte am Rhy-Fäscht 2022

Geschätzte 800 Begeisterte strömten am Sonntag, 21. August 2022, an den Rhein bei Balzers – Eltern und Kinder, Naturbegeisterte und Politiker*innen. Es war ein Familienfest und ein Appell für die Rheinaufweitungen.
Das Rhy-Fäscht war wieder ein Grosserfolg. Mehr Kinder und Erwachsene denn je genossen bei strahlendem Sonnenschein die vielfältigen Angebote: Kanufahren, Ponyreiten, den Rheinholzer-Haken schwingen, Insekten bestimmen, Wassertiere unter der Lupe betrachten, Steine schleifen, Klettern, Abseilen und vieles mehr. An den Ständen der Organisatoren war viel Interessantes über die Natur zu erfahren und ein geführter Spaziergang zeigte das Potenzial einer Rheinaufweitung am Ellhorn.
Monauni: Rheinaufweitungen aus Überzeugung und mit Nachdruck verfolgen
Regierungschef-Stellvertreterin Sabine Monauni überbrachte die Grüsse der Regierung. Sie verfolge die Idee der Rheinaufweitungen aus Überzeugung und mit Nachdruck. Man sei an der Planung einer Aufweitung in der Eschner Au und es handle sich dort erst um ein Teilprojekt. Diese Aufweitung werde ein Leuchtturmprojekt. Auch in Sevelen-Vaduz laufe eine Planung und weiter oben und weiter unten am Rhein tue sich bereits vieles. Sie zeigte Verständnis für die Haltung der Umweltverbände, die befürchten, dass durch die vorrangige Ausführung der Dammsanierungen später die Aufweitungen als nicht mehr so dringend angeschaut würden. Sie versicherte aber, dass die Regierung die Aufweitungen als gleichwertiges Ziel wie die Sanierungen weiterverfolgen würden.
Der Inn im Engadin als Vorzeigeprojekt
Fadri Guidon, der Gemeindepräsident von Bever, berichtete über die Aufweitungen, die im Engadin schon in grossem Massstab umgesetzt wurden. Die Bevölkerung im Oberengadin sei stolz auf den „neuen“ aufgeweiteten Inn, der die Lebensqualität aufwerte und auch dem Tourismus viel bringe. Guidon hat 22 Jahre lang einen Landwirtschaftsbetrieb geführt und musste selber Land für die Revitalisierung des Inn abgeben. Trotzdem stehe er voll hinter dem Projekt, das nun noch fortgeführt werde.
Ellhornaufweitung muss endlich kommen
Vorsteher Hansjörg Büchel hatte schon am letztjährigen Rhy-Fäscht gesagt, es müsse jetzt endlich etwas geschehen. Am Sonntag musste er unfallbedingt fernbleiben.
Die drei Gemeinden am Ellhorn, Sargans, Fläsch und Balzers, haben 2021 ihre Regierungen in einem gemeinsamen Brief aufgefordert, nun zügig vorwärts zu machen und ein Vorprojekt für eine grosse Aufweitung am Ellhorn auszuarbeiten. Sie wurden aber vertröstet, neben den Sanierungen und anderen geplanten Aufweitungen stehe im Moment kein Personal zur Verfügung, um so ein grosses Projekt in Angriff zu nehmen.
Gemeinderat Roland Wermelinger aus Sargans zeigte am Fest ein gewisses Verständnis, brachte aber auch die grosse Enttäuschung der Gemeinde Sargans zum Ausdruck. Seine Gemeinde engagiere sich seit vielen Jahren für die Rheinaufweitung Sargans-Fläsch-Balzers. Der Sarganser Gemeinderat stehe seit Jahren einstimmig hinter diesem Vorhaben. Man wolle nicht mehr länger warten, die Zeit sei reif und man habe das Gefühl, dass man vertröstet werde. Eine Machbarkeitsstudie liege vor, man müsse nun schnell ein Vorprojekt ausarbeiten. Man treffe sich jedes Jahr zum Rhy-Fäscht, müsse aber feststellen, dass in der Zwischenzeit wieder nichts vorwärts gegangen sei. Die Gemeinde und die Umweltorganisationen möchten nun konkrete Schritte zur Realisierung der ökologisch sehr wichtigen Ellhorn-Aufweitungen sehen.
Viele Attraktionen für Kinder
Nach den Ansprachen bestiegen die Kinder wieder die Ponys und die Kayaks, schliffen Steine, warfen den Handholzerhaken oder bestimmten unter der Lupe Wassertiere. Eine ansehnliche Anzahl Besucher*innen machten mit Gemeinderat Roland Wermelinger und Mario Broggi, ehemaliger Direktor der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, einen Spaziergang rheinwaufwärts, um einen Blick in die Zukunft, ins Gebiet der geplanten Ellhorn-Aufweitung zu werfen.
Die Organisationen – Werkstatt Faire Zukunft, Liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz, Wildwasserclub Liechtenstein und Aqua Viva – freuten sich vor allem über die vielen strahlenden Kindergesichter und hoffen, dass diese Kinder schon in wenigen Jahren an einem befreiten Alpenrhein spielen und feiern können.







